An der Teufelsmauer

Da wir schon mal in der Nähe waren, wäre es zu schade gewesen, im Anschluss an den Aufenthalt in der Fachwerk-Altstadt von Quedlingburg am Harz auf dem kürzesten Weg nachhause zu fahren. Unter anderem wollten wir die in der Nähe befindliche ‚Teufelsmauer‘ besuchen. So heisst eine Sandsteinformation im nördlichen Harzvorland, die nicht nur zu Zeiten der DDR etlichen Filmproduktionen als Kulisse gedient hat, sondern auch in der jüngeren Krimisserie „Alles Klara“ mit Drehorten rund um Quedlinburg und Blankenburg, in mehr als einer Episode.
Die Teufelsmauer erstreckt sich über etwa 20 km zwischen Ballenstedt und Blankenburg bis zur von uns gewählten Stelle bei Weddersleben, etwa 7 km südwestlich von Quedlinburg – siehe > Waymarked Trails-Karte.

Es war morgens um neun Uhr, als wir am Parkplatz ankamen, von dem aus man einen Wanderweg aufwärts zu der verschiedenen Harzer Sagen gemäss vom Teufel errichteten und wieder zertrümmerten Wand hinaufsteigen kann.

Wie auch auf dem Hinweisschild am Beginn des Fussweges zu lesen steht, handelt es sich um eines der ältesten Naturschutzgebiete Deutschlands. Als Besonderheit bekannt war es schon lage zuvor, und auch Goethe hat 1784 diesen Abschnitt schon besucht. Dazu später. Nach einem Blick auf den Wasserlauf der Bode, der Gemeindegrenze zwischen Weddersleben und Neinstedt auf der anderen Seite des Flüsschens, spaziert man anfangs noch ganz gemütlich unter Laubbäumen dahin, …

… bis diese schattige Zone auf einmal am Fuss des Hügels endet und der Weg in einen langen und mehrfach gewundenen Treppenpfad übergeht, mit einer unmissverständlichen Markierung, dass man sich nun auf dem sogenannten ‚Teufelsmauerstieg‘ befindet – siehe 1. Link oben – Es war gut, so früh dort zu sein, denn es versprach bereits um diese frühe Zeit, heiss zu werden.

Um diese Zeit war ich bis zum Teufelsmauergarten sogar noch ganz allein und wurde erst dort wegen meines ständigen Fotografierens überholt. Auf dem Rückweg abwärts kamen mir allerdings zahlreiche Menschen entgegenkamen, einige unbeschwert zu Fuss, aber vor allem Mountainbiker, die ihre Räder nach oben schoben, so dass ich mehr auf den Weg achten musste, wo ich vorher einfach zum Gucken und Fotografieren stehen bleiben konnte, wie es mir gerade gefiel.

Auf dem Bild oben lässt sich an der linken Seite etwas Gelbes erkennen, das sich zu meiner Überraschung als Kandelaber-Königskerze herausstellte: sie markierte den Eingang zu einem kleinen, beschilderten Botanischen Garten, der vermutlich mit seinem versammelten Angebot der an der Teufelsmauer typischen, wegbegleitenden Flora vermeiden helfen soll, dass die Besucher den Weg verlassen und den im sandigen Boden trittempfindlichen Bewuchs damit zerstören.

Zum Vergrössern bitte anklicken. In dem kleinen Botanischen Garten wachsen laut Hinweisschild Arten, die im Bereich der Teufelsmauer vorkommen, ohne Fotos ausserdem Jasonien, Felsenkirschbäume, Brombeeren,Thymian, hübscher Gräser … An vielen Stängeln hingen zierlich geringelte Heideschnecken (s.u.) und ich sah verschiedene Wildbienen, Hummeln, Schwebfliegen und Falter, aber der Wind machte mir das Fotografieren von Kleinigkeiten schwer. Den Bäumen auf dem nächsten Bild sieht man den Wind ebenfalls an:

Zurückgewandt ist es ein Blick auf den oben schon erwähnten Ort Neinstedt im Morgenlicht, mit Dorfkirche St. Katharinen. Das Dorf südlich der Teufelsmauer ist heutzutage ein Ortsteil von Thale, wie Weddersleben nördlich und Warnstedt nordwestlich davon. Auf der oben verlinkten Karte ist der Aussichtspunkt markiert. An dieser Stelle ragte schon Felsgesteinhaufen auf, aber erst im Weitergehen offenbarten sich die typische Formen, die der Teufelsmauer ihren Namen geben, und bei denen es sehr schwerfällt, auch mal etwas unfotografiert zu lassen.

Durch verschiedene Abschnitte der Teufelsmauer hat man wie durch Fenster gerahmt immer wieder malerische Ausblick auf die jenseits liegende Landschaft und ihre Ortschaften. Besondere Punkte auf dem Teufelsmauerstieg am Königstein markieren der hölzerne Teufelspfahl neben dem sogenannten ‚Adlerstein‘ und beim Königstein der Gedenkstein zum geologisch interessierten Besuch des Johann Wolfgang von Goethe im Jahr 1784, auf seiner dritten und letzten grossen Harzereise, gemeinsam mit dem Maler Georg Melchior Kraus.

An diesen Stellen war es zugleich auch besonders sandig und trocken. Noch mehr kleine Heideschnecken hingen mit ihren flachen Häuschen fest versiegelt an den Stängeln, um die Tageshitze durchzustehen. Das Bild mit den Abdrücken von Mäuse- oder Wieselpfötchen im gelblichen Sand ist hier entstanden. Welches Insekt die Höhle mit dem Sandhäufchen davor gegraben hat, war leider nicht zu beobachten, es gab in grösseren Abständen mehrere davon.

Gut, dass ich so zeitig dort oben war, bevor die Mountainbike-Wanderer ihre tief profilierten Räder genau auf dieser Seite der Treppenstufen darübergeschoben hatten, die Spuren wären verschwunden gewesen. Aber womöglich liegen die Höhlen tief genug, und der Bewohner muss sich nur wieder freigraben – wer weiss? Doch zurück zur schönen Fernsicht entlang der steinernen Wand!

Die einzelnen Teilstücke der Teufelsmauer von Weddersleben tragen eigene Namen, wie Teufel bzw. Westturm, Adlerfelsen bzw. Mönch und Großmutter – auf dem letzten Foto ganz unten im Beitrag sind sie so in einer Reihe noch einmal zu sehen. Bei einigen ist es mir hoffentlich geglückt, sie richtig zu benennen, und wer es besser weiss, darf mich gern per Kommentar korrigieren.

Am westlichen Ende dieses Abschnitts, beim ‚Teufel‘, hat man eine weitere Aussicht. An diesem Augusttag fand ich zu den graubräunlichen Felsen die gelblichen Farbtöne, die sich mit grünen Busch- und Baumgruppen und purpurnem Heidekraut unter dem blauen Himmel abwechselten ganz besonders reizvoll. Den Bilderbuch-Eindruck rundete der Blick auf das Dorf Warnstedt mit Kirchturm und Windmühle perfekt ab und ich habe sie noch weiter herangezoomt. Wie der Berg im Hintergrund heisst, weiss ich allerdings nicht.

Die anderen Wanderer, die nach und nach dort oben anlangten, gingen meistens weiter, ich aber machte kehrt, denn unten auf dem Parkplatz wartete schliesslich das Auto. Ein Teufelsmauer-Foto habe ich noch zum Schluss aufgehoben, auf dem ich nach einem sehr ähnlichen Bild im Wikipedia-Artikel die Felsen meine benennen zu können: ganz links müsste es der Teufel oder Westturm sein, das Aufragende in der Mitte wäre wohl der Adlerfelsen oder auch Mönch und – warum nur? – rechts die Grossmutter. Mehr lesen bei > Teufelsmauer (Harz) | Wikipedia

Bei den vielen Bildern könnte man meinen, es wären seit dem Aufstieg mehrere Stunden vergangen, tatsächlich war es aber nur eine bis zum Erreichen des ersten Teufels-Pfostens von Bild 4, und von dort nur noch ein paar zusätzlicher Minuten. Bis der Fahrtwind wieder für etwas Erfrischung sorgte, mögen es wohl eineinhalb Stunden gewesen sein, aber mit dem intensiven Erlebnisgefühls eines Tagesausflugs. Weiter ging es zu den Höhlenwohnungen von Langenstein.

22 Gedanken zu “An der Teufelsmauer

  1. Dieses kleine Loch wird gewöhnlich von Grabwespen gebohrt. Bei uns ist die ganze Auffahrt voll von diesen Löchern und man kann die Tiere gut beobachten. Muss ich direkt nächstes Jahr mal fotografieren.

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  2. Ich danke dir für diesen Ausflug, der mich zurück in die heissen Tage katapultiert, während jetzt hier der Ofen knistert.
    Die Teufelsmauer finde ich sehr imposant, eine spannende geologische Formation!
    Ich war nur einmal im Harz und hatte dort ein sehr spezielles Höhlenerlebnis, aber leider weiss ich gar nicht mehr wie diese Höhle hiess, ich weiss nur noch, dass ich in der Nähe von Bockenem gewesen bin.
    Herzliche Grüsse
    Ulli

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      1. Es war keine Tropfsteinhöhle, sie hatte wie einen niedirgen Mund in den man einsteigen konnte und dann kam man erst einmal in einen grossen Saal, später zu einem unterirdischen See, ab da wurde es eng und sehr dunkel, ich musste umdrehen … aber ich schaue jetzt gleich mal nach der Lichtensteinhöhle im Netz – danke dir!

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                1. Wow, danke!!! Das könnte sie wirklich gewesen sein, ich staune nur, dass man sie nicht betreten darf, wobei ich schon gestehen muss, dass sie mir an vielen Stellen unheimlich gewesen ist und ich froh war, als wir wieder draussen gewesen sind. Innerhalb der Höhle habn damals Geologen in einem der Räume gearbeitet, sie haben keinerlei Notiz von uns genommen.
                  Nochmals herzlichen Dank für dein Mitsuchen und Finden!

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                2. Macht mir immer wieder Freude. Ich habe vor einigen Monaten mal irgendeinen Fernsehbericht über Höhlen in Deutschland gesehen und bei der Gelegenheit aufgeschnappt, dass man viele Höhlen erst in jüngerer Zeit, mit dem immer stärkeren Aufkommen des Abenteuersport- Freizeitverhaltens zu vieler Menschen zu ihrem Schutz wieder für die Allgemeinheit gesperrt und verschlossen hat, also: zum Schutz der Höhlen, deren oft seit Jahrtausenden unberührten, individuellen Ökosysteme unter einer grösseren Anzahl von Besuchern zusammenbrechen würden, quasi wie ein Lebewesen ohne Immunabwehr.

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  3. Tolle Fotos! Ich habe erst durch einen Freund letztes oder dieses Jahr erstmalig von der Teufelsmauer gehört. Komisch, daß einem so etwas Tolles so verborgen bleibt. Der Blick ist ja oft auf die Ferne gerichtet, obwohl es auch viele deutsche Reiseziele gibt, die beworben werden, aber diese Ecke mit der Mauer und den Höhlen war mir total unbekannt. Schön, daß du sie gezeigt hast. Die Ausschnitte mit Fenstercharakter und dieser Blick in die sommerliche Landschaft sind besonders gelungen. Faszinierende Felsformationen!

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