Durch den Schuhhof

Um am Samstagnachmittag für das Abendessen zum Einkaufen zu gehen, gingen wir durch die Hölle und von dort durch den zweiten Zugang zum Schuhhof zur Breiten Strasse. Den marktseitigen schmalen „Tunnel“ unter dem Gildehaus der Schuhmacher hatten wir > hier schon gesehen, nun konnten wir unserer Neugier von der anderen Seite her nachkommen.

Nahe beim wahrscheinlich ältesten Hauses von Quedlinburg aus dem 13. Jh., dem Höllenhof, findet sich der Eingang zum Schuhhof, auf Bild 2 neben dessen Ecke, im Haus mit den grünen Fensterläden Hölle 1. Die höhere und breitere Hausnr. 2 davor ist das schmuckere Gebäude, beide stammen aus dem 18. Jahrhundert.

Betritt man den Schuhhof von der Hölle aus, erblickt man am anderen Ende auf die Rückseite des Zunfthauses der Schuhmachergilde. Im Schuhhof selbst sind die Fachwerkhäuschen klein und einfach. Hier wohnten und arbeiteten Schuhmacher und Flickschuster, und das bereits seit dem Mittelalter.

Das Schuhmacherhandwerk warf keine hohen Einkommen ab, die Flickschusterei noch weniger und die sogenannten Altmacher bildeten das armselige Schlusslicht. Die geringen Deckenhöhen der traufseitig zum Hof stehenden, zweigeschossigen und schmalen und entweder schmucklosen oder nur wenig verzierten Häuser erzählen von Bescheidenheit und kleinem Körperwuchs früherer Generationen.

Die meisten der im östlichen Schuhhof stehenden Häuschen stammen aus dem 18. Jahrhundert, wie die Nr. 3 links und die Nr. 8 rechts auf dem Foto, oder die Nr. 5 und 6 auf dem ersten Querformat des Beitrags. Sie alle sind heute als Teile des Hotels für Feriengäste bewohnbar.

Zur Breiten Strasse hin stehen die ältesten Häuser aus dem 16. und 17. Jh., und an ihnen sieht man noch die ausklappbaren Läden früherer Zeiten, auf denen Waren präsentiert wurden; der schmale Durchgang unten im Schuhmachergildehaus stellt die Verbindung zum Marktplatz her.

Das nachmittägliche Sonnenlicht beleuchtet hell den Durchgang zur Breiten Strasse, der unter dem Zunfthaus der Schuhmachergilde hindurchführt. Dieses wiederum wurde 1553/’54 errichtet. Auf den nächsten drei Fotos ist zu sehen, wo man vom Schuhhof aus nahe der Nordseite des Marktes und genau vor der Ostseite des Rathauses herauskommt.

Von einer einheimischen alten Dame hörte ich, dass in ihrer Jugend die engen Durchgänge wegen der zwangsläufigen Nähe bei Pärchen sehr beliebt waren, aber andererseits aus Sicherheitsgründen abends verschlossen und nur tagsüber geöffnet waren. Heute gehört dies offenbar der Vergangenheit an, ich sah keine entsprechenden Pforten, weder an der Hölle, noch an der Breiten Strasse.

11 Gedanken zu “Durch den Schuhhof

  1. Echt niedlich und soo charmant! Lauschige Gässchen, Zwergenhäuschen 😉 Wahnsinn, wie klein die waren. Alles in allem sehr sehr hübsch. Ich mag diese verwinkelten Gassen, wo man sich immer wieder überraschen lassen kann.

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    1. Irgendwo las ich, dass die Kleinstadt Quedlinburg trotzdem die grösste zusammenhängende Fachwerkaltstadt hätte – ohne Gewähr, weil ich nicht mehr weiss, wo, aber mir kam es durchaus so vor, als hätte ich weder in Celle noch anderswo ein solches „Fachwerkerlebnis“ gehabt.

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      1. Celle ist ja sonst die Stadt mit viel Fachwerk, aber deinen Bildern zu urteilen nach, würde es mich nicht wundern, wenn es tatsächlich Quedlinburg ist! Jedenfalls sehr hübsch und sehr komprimiert. Das ist ja auch nicht überall gegeben.

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        1. Auf der Webseite der D(eutschen) W(elle), dem der ARD angeschlossenen Auslandssender Deutschlands > > hier steht z.B.: „In Quedlinburg stehen rund 1300 Fachwerkhäuser aus sechs Jahrhunderten, so viele wie in keiner anderen deutschen Stadt.“
          Im > Wikipedia zur Stadt Celle findest du gleich eingangs: „Celle gilt als südliches Tor zur Lüneburger Heide und ist ein Ort mit einer pittoresken Altstadt mit über 400 Fachwerkhäusern.“

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