Schlossmuseumsbesuch

Nach der Besichtigung der Stiftskirche auf dem Schlossberg von Quedlinburg gingen wir hinüber in den mit Fachwerk angebauten südlichen Flügel, siehe erstes Bild, denn dort wird das älteste erhaltene textile Kunstwerk Europas ausgestellt, ein Knüpfteppich aus dem 12. Jh., der zwar während der Reformation zerschnitten und in Teilen bis 1832 als Fußmatten benutzt wurde, aber die restaurierten Teile, die miteinander eine Ursprungsgrösse von 6 × 7 m messen, liegen geordnet und ideal klimatisiert zur Betrachtung in einem Raum des Obergeschosses:

Anschliessend gingen wir über Hof, in das Schlossmuseum im Nordflügel. Dieser Teil des Schlosses stammt aus dem 16. Jh., der Fachwerkgang zum Hof aus dem 18. Jh., darunter befinden sich Keller aus dem 10. Jh., die noch von der alten Burg stammen. Beim Museumsbesuch durchwandelt man den Flügel bis in die Keller hinunter. In besagtem Nordflügel befanden sich bis 1803 die ehemaligen Wohn-, Versammlungs- und Repräsentationsräume des Stifts und der Äbtissinnen.

Besagtes Stift wurde gegründet auf Betreiben der Witwe Heinrichs I., der später heilig gesprochenen Mathilde (ca. 896 bis 968) zur Pflege des Gedenkens an König Heinrich I. und andere Verstorbene und der Erziehung adeliger junger Mädchen. Es wurde zu einer jahrhundertelang wirksamen Macht und unterstand direkt dem Papst. Das Stift wurde zwar bereits vor dem 17. Jahrhundert unbedeutend, aber das Amt der Äbtissin / Pröbstin wurde von hochrangigen Damen wie Gräfin Maria Aurora von Königsmarck, einer vormaligen Mätresse des Kurfürsten August dem Starken von Sachsen, oder Anna Amalie von Preussen, der Schwester von König Friedrich II., bekleidet. Die letzte Äbtissin war Sophie Albertine, Prinzessin von Schweden, Schwester des Königs Gustav III., die Prunkgemächer des Museums erzählen vom gehobenem Lebensstil der späten Äbtissinnen.

1802 dankte die letzte Äbtissin dankt ab, das Stift wurde aufgelöst und das Territorium dem preussischen Königreich eingegliedert. Nach der Besetzung Preussens durch Napoleon 1807 herrschte dessen Bruder Jérôme Bonaparte bis 1813 als König von Westfalen u.a. auch über Quedlinburg und verkaufte fast die gesamte Inneneinrichtung des Schlosses. Dennoch sind die Räume anschaulich eingerichtet und die Besucherzahl war an diesem Samstagvormittag auch um elf Uhr noch angenehm gering, so dass man mit manchen Räumen sogar zeitweilig allein sein konnte – das mag ich sehr.

Das Museum umfasst noch mehr Themen und Ausstellungsstücke, von der Frühzeit bis zur nahen Vergangenheit, nur sind die Räume in den alten Kellergewölben in schummeriges Licht getaucht. Weitere Exponate ansehen > museum-digital.

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