Stiftskirche St. Servatius – aussenherum

Zuvor hatten wir die barocken Gartenanlagen auf dem östlichen Schlossberg durchbummelt und nach verschiedenen Richtungen in die Ferne gesehen.
Darüber wurde es Zeit für die Besichtigung der Stiftskirche, so dass wir uns von der letzten Aussicht nach Südwesten lösten, um hineinzugehen.

Die romanische Basilika hatte drei Vorgängerbauten: zunächst eine Burg-Kapelle, in der 936 König Heinrich I. begraben wurde, später, nach der Umwandlung der Reichsabtei in ein Damenstift, liess dessen Witwe Mathilde die Kirche vergrössern; auch unter den nachfolgenden Äbtissinnen wurde gebaut, doch 10170 brannte die 997 geweihte Stiftskirche ab. Daraufhin wurde der heutige, mächtige Sandsteinbau begonnen und 1129 erneut geweiht. Spätere Veränderungen folgten:

Auf Bild 2 sieht man von der gotischen Chor-Apsis aus dem 14. Jh. das Langschiff entlang zum südlichen Turm. Die gotischen Formen des über der Krypta errichteten Chors sieht man nur von aussen, siehe Bild 3. Die nächsten drei Fotos sind an der Nordseite aufgenommen: links die gotische Seitentür zum Chor, rechts ein Teil vom Hauptschiffes und die neoromanischen Doppeltürme, aus dem 19. Jh. sogar erst.

Das zierlich abstrakte Masswerk über der gotischen Tür im Spitzbogen wirkt ganz anders als die figürlichen, lombardischen Ornamente des steinernen Frieses unterhalb der Dachtraufe des romanischen Hauptschiffes; es zeigt u.a. pflanzliche Muster, Löwen und Chimären. Beispiele sieht man auf den beiden Bilder hierunter:

Der oft fotografierte, bronzene kleine „Schweinhund“, der durch einen Reifen springt, ist noch jüngeren Datums. Die Türklinke des Nordportals wurde in den 1960er Jahren vom Magdeburger Künstler Heinrich Apel geschaffen, sinnbildlich für den sprichwörtlichen „inneren Schweinehund“ des Menschen.

An den äusseren Details in diesem Beitrag sind bereits etliche kleine und grosse Entwicklungen aus beinahe neun Jahrhunderten abzulesen, aber auch in polithistorischer Hinsicht hat die Stiftskirche viel durchgestanden.
Über das Bauwerk, seine Architektur und seine Geschichte sollte man viel mehr nachlesen, als ich wegen eines kleinen Wochenendbesuchs hier beschreiben möchte, z.B. im > Wikipedia-Artikel zur Stiftskirche St. Servatius (Quedlinburg) .

11 Gedanken zu “Stiftskirche St. Servatius – aussenherum

  1. Neben dem witzigen Schweinehund gefallen mir auch die Figuren und anderen Ornamente. Die sind so phantasievoll gemacht. Wirkt recht imposant für so einen kleinen Ort oder täuscht das?

    Gefällt 1 Person

    1. Mithilfe der informativen Links am Ende der vorigen und des nächsten Artikels bekommst du ausführliche Erklärungen für die heute so „rätselhaft“ scheinenden Unverhältnismässigkeiten.

      Gefällt 1 Person

  2. Wow, was für eine Detail- und (bau-)geschichtliche (und Ausdrucks-)Vielfalt – und von dir perfekt in Szene gesetzt!
    Und wir sind damals nur vorbeigehastet (aus Zeitnot, nicht aus Desinteresse) …

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.